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Finanzplanung für Impact-Unternehmen: meine besten Tipps

Für deine Finanzplanung brauchst du keine komplizierten Formeln

Wenn du bereits dein Unternehmen gegründet hast, hast du dich bestimmt mit dem leidlichen Thema „Finanzplanung“ herumgeschlagen. Schließlich, ob Gründungsberater, Business Angels oder Förderstellen. Alle wollen Zahlen von dir sehen.

Und wenn du noch am Fuß des Berges stehst, wird es dir vielleicht jetzt schon ein wenig schwindelig.

Es gibt allerlei Gründe, warum viele Berührungsängste mit ihrem Finanzplan haben. Es wäre bestimmt ein interessanter Fall für eine psychologische Studie. Aber ob du es gerne tust oder nicht, deine Zahlen und du, ihr musst ein Herz und eine Seele werden.

Schließlich hast du etwas Wichtiges vor. Und damit dein Projekt gelingt, führt kein Weg an einer soliden Finanzplanung vorbei.

Die Grundlagen der Finanzplanung

Einnahmen und Ausgaben planen

Ganz ehrlich, der Anfang jeder Finanzplanung ist nicht komplizierter als das. Was du als Erstes brauchst, ist ein Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben.

Woher kommt das Geld rein? Und wofür gibst du es wieder aus?

Soweit klar. Aber dabei wird es nicht bleiben. Deine Finanzplanung wird (hoffentlich) kein Bierdeckel mit 3 Zahlen drauf (Einnahmen-Ausgaben=Gewinn oder Verlust) bleiben. Aber die Logik, die bleibt immer die gleiche.

Gehen wir also zu den Basics zurück.

Woher kommt das Geld rein?

Du hast ein Unternehmen gegründet oder du willst eins gründen. Das Erste, was du also brauchst, ist Umsatz.

Du hast bestimmt jetzt schon eine konkrete Vorstellung darüber, wer deine potenziellen Kunden sind. Und was sie von dir kaufen können (deine Produkte oder deine Dienstleistungen). Nun ist die Frage wieviel und zu welchem Preis, du verkaufst.

Das führt natürlich zu den nächsten Fragen: was darf mein „Produkt“ kosten, wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Und was muss ich alles im Vorfeld tun, um die 10,100 oder 1.000 Kunden zu erreichen, die ich da auf meinen Zettel aufgeschrieben habe?

Wie du siehst, fangt mit einer Zahl in der Zeile „Umsatz“ die ganze Maschinerie zum Rattern an. Und das ist genau das, was du mit der Finanzplanung erreichen möchtest. Aus einer vagen Idee wird ein konkreter Plan. Und du bist dem Erfolg einen Schritt nähergekommen.

Wofür geben wir das Geld aus?

In der Regel ist es der Teil von der Finanzplanung, die am leichtesten zu greifen ist. Wenn dein Unternehmen bereits läuft, kannst du da auf Erfahrungswerte zurückgreifen (was Fluch und Segen zugleich sein kann. Dazu später mehr). Wenn nicht, gibt es im Internet genügend Templates, die dir schon mal eine gute Struktur vorgeben. Worauf du achten solltest, wenn du mit Templates arbeitest kannst du hier nachlesen.

Typischerweise werden hier die folgenden „Kostenkategorien“ hier vorkommen:

  • Variable Kosten wie Material- und Wareneinkäufe: wenn du zum Beispiel ein Kaffee betreibst, musst du eben Kaffee, Zucker und Milch einkaufen. Je mehr Kaffee du verkaufst, desto mehr Waren wirst du auch brauchen.
  • Fixkosten wie Miete, Versicherungen aber auch Marketing und Werbekosten. Löhne und Gehälter fallen typischerweise in diese Kategorie hinein. Diese sind von deinem Umsatz unabhängig und müssen auch bezahlt werden, wenn niemand dein Kaffee besucht.
  • Gründungskosten: alles, was nur „einmalig“ am Anfang deiner Tätigkeit anfällt. Das können zum Beispiel die Beratungslosten für die Standortauswahl sein.
  • Anfangsinvestitionen: das wären in unserem Beispiel die Tische und Stühle sowie die Kaffeemaschine. Als „Kosten“ im engeren Sinn wären zwar nur die Abschreibungen zu sehen (da du diese „Wirtschafsgüter“ auch mehrere Jahre nutzt), aber notiere dir hier die Höhe dieser Investitionen sorgfältig. Die wirst du später für deine Liquiditätsplanung brauchen.
  • Zinsen und Finanzierungskosten: solltest du einen Kredit aufgenommen haben, um deine Projektidee zu finanzieren, werden in der Regel Zinsen fällig.
  • Steuern: diese Kostenkategorie bedarf wohl keine weitere Erklärung. Wenn das Thema „Steuern“ für dich ein Buch mit sieben Siegeln ist, solltest du dich an einen Steuerberater wenden und die Berechnung der Steuern in deiner Finanzplanung abstimmen. Du brauchst nicht alle Feinheiten des Steuerrechtes kennen. Allerdings gehört das Verständnis über die grundsätzliche Steuerkalkulation zum unternehmerischen Allgemeinwissen.

Liquiditätsmanagement

Jetzt hast du dir über all deine Einnahmen und Ausgaben Gedanken gemacht und erste Zahlen zusammengetragen. Damit hast du auch deine erste Gewinn und Verlust-Rechnung vor dir.

Wenn alles gut geht, ist der Saldo aus Umsatz minus Kosten positiv. Das ist die Voraussetzung für ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen und eine langfristige Wirkung.

Wichtiger als die G&V-Rechnung für das kurzfristige Überleben deines Unternehmens ist jedoch der Liquiditätsplan. Denn auch profitable Unternehmen können bankrott gehen. „Cash is king“ lautet die Devise. Diese wirst du in der Finanzwelt öfter hören.

Klingt abstrakt? Ist es aber nicht. Am Ende des Tages zählt nur, ob das Geld am Konto reicht, um die Rechnungen, Löhne, Gehälter, Steuern und sonstige Abgaben zum vereinbarten Zeitpunkt bezahlen zu können.

Ein Liquiditätsplan zu erstellen ist jedoch kein Hexenwerk und ist vielfach intuitiver als eine G&V-Rechnung. Dafür brauchst du nur die Zahlen herzunehmen, die du zusammengetragen hast. Diese Liste wird jetzt um eine zeitliche Komponente ergänzt mit einem fokussierten Blick auf den Zeitpunkt der Zahlung.

  • Wenn du etwas verkaufst, wann klingt es in der Kasse? Bei unserem Kaffee-Beispiel ist es dann, wenn der Kunde dein Kaffee besucht und seinen Latte bestellt und bezahlt.
  • Allerdings hast du dafür im Voraus die Zutaten kaufen müssen: was hast du mit deinen Lieferanten für Zahlungsziele vereinbart?
  • Die Miete hast du am 1. Des Monats bereits überwiesen. Und die Kaffeemaschine hast du auch schon kaufen und finanzieren müssen.

Dass du am Anfang deines Projekts mehr ausgibst als du einnimmst ist eher die Regel als die Ausnahme. Das ist allein noch kein Grund zur Besorgnis. Allerdings solltest du die Entwicklung des Kontostands über die Monate hinweg genau verfolgen, um Lücken frühzeitig zu erkennen. Anfangs kann es sogar notwendig sein, die Entwicklung der Liquidität innerhalb eines Monats zu beobachten. Denn es ist durchaus üblich, dass hohe Ausgaben zu Monatsanfang, Monatsmitte oder Monatsende gesammelt anfallen.

Finanzierungsplanung

Hast du dir einen Überblick über die Entwicklung deines Kontostandes über Monate geschaffen, bist du bestens gewappnet, um die Finanzierung deines Projektes anzugehen.

Denn dein Liquiditätsplan verrät dir Folgendes:

  • Habe ich genug Geld am Konto, um den laufenden Betrieb, geplante Investitionen und Wachstum zu finanzieren?
  • Wenn Lücken vorhanden sind, wie groß sind sie? Wann ist die Spitze zu erwarten?
  • Ist der Saldo mal positiv, mal negativ? Oder baut sich die Lücke stetig auf, bis sie endlich wieder abgebaut werden kann?
  • Wieviel Puffer habe ich eingeplant?

Somit kann eine fundierte Diskussion darüber stattfinden: ob eine externe Finanzierung notwendig ist, in welche Höhe, mit welcher Laufzeit und mit welcher Struktur. Kannst du diese Fragen seriös beantworten und mit Zahlen hinterlegen, punktest du gleich bei potenziellen Investoren.

Du willst wissen, welche Finanzierungsoptionen dir als Impact-Unternehmer:in zur Verfügung stehen? Hier kannst du den Finanzierungskompass herunterladen und dir einen Überblick verschaffen.

Finanzplanung im Unternehmensalltag

Wir haben es schon am Anfang gesehen. Schon die erste Zeile deiner Finanzplanung (und auch die Wichtigste), der Umsatz zwingt dich, einen konkreten Aktionsplan zu entwickeln. Im besten Fall ist jede Zahl, die du hinschreibst, mit Überlegungen und Maßnahmen verbunden.

Somit ist die Finanzplanung alles andere als ein Zahlenfriedhof. Damit das auch so bleibt, ist es wichtig, deine Finanzplanung regelmäßig anzuschauen, sie aktuell zu halten und gegebenenfalls an der Realität anzupassen.

Optimierungsmöglichkeiten

Schon der erste Wurf deiner Finanzplanung wird dir zeigen, ob du am richtigen Weg bist.

Sollte der Saldo bei der G&V-Planung negativ sein (und über längere Zeit negativ bleiben), hast du kein profitables Unternehmen oder kein Projekt, das „sich trägt“. Der Umsatz ist zu niedrig und / oder die Kosten zu hoch. Vielleicht passt auch die Profitabilität aber die Liquidität nicht.

Es heißt noch nicht, dass deine Idee schlecht ist. Vielleicht kannst du ja an verschiedenen Schrauben drehen:

  • Wie kann ich der Umsatz (schneller) erhöhen: kann ich den Preis erhöhen, welches Kundensegment spreche ich an und wie kann ich mehr Kunden erreichen?
  • Wie kann ich die Kosten senken? Brauche ich alles, was ich da an Waren und Dienstleistungen zukaufe? Kann es das günstigere Geschäftslokal auch tun? Kann ich vielleicht bessere Preise verhandeln?

Dafür eignet sich ein „zero-based“ Ansatz ganz gut. Dabei werden die Kosten nicht mehr auf Basis von Daten aus der Vergangenheit geplant. Sondern einfach auf einem weißen Blatt. Da führt dazu, dass man den Nutzen, die Preise und die Mengen gründlich hinterfragt und nicht einfach „aus Gewohnheit“ fortführt.

 Auch bei der Liquidität gibt es Optimierungsmöglichkeiten: kann ich kürzere Zahlungsziele mit meinen Kunden vereinbaren und diese auch konsequenter verfolgen? Hingegen: kann ich mit meinen Lieferanten längere Zahlungsziele ausmachen? Kann ich die Menge, die ich als Vorrat halte durch bessere Abläufe reduzieren? Das alles ist bares Geld wert und kann helfen, die Finanzierungslücke geringzuhalten.

Soll-Ist Vergleiche

Die Planung wird falsch sein.

Das höre ich manchmal als Argument, warum keine Planung vorgenommen wird.

Jedoch allein der Denkprozess, den so eine Planung auslöst, ist es wert, sich damit zu beschäftigen. In erfolgreichen Unternehmen ist die Finanzplanung immer eng mit der Strategieentwicklung verbunden. Das ist kein Zufall und auch du kannst aus deiner Planung etwas lernen.

Das geht natürlich nur, wenn du dir ein wenig Zeit nimmst und die Qualität deiner Planung kritisch betrachtest.

Das geht einerseits, indem du deine Finanzplanung regelmäßig aktualisierst. Eine 2-Jahre alte Planung nutzt niemandem mehr… Du wirst laufend neue Erkenntnisse gewinnen, konkretere Zahlen und Erfahrungen sammeln. Diese sollten zeitnah in deine Planung einfließen.

Andererseits ist ein sogenannter „Soll-Ist-Vergleich“ das Instrument der Wahl. Dabei vergleichst du, ob die aktuelle Situation mit den geplanten Zahlen übereinstimmt. Und das tut es in der Regel nicht!

Hast du so viel verkauft wie erwartet? Haben so viele Gäste wie erwartet dein Kaffee besucht und haben sie das konsumiert, was du geplant hast? Sind die Kosten höher oder niedriger als geplant? Und woher kommt die Abweichung, etc…

So bist du in der Lage rechtzeitig zu reagieren:

  • Sind Maßnahmen notwendig, um auf Kurs zurückzukommen? Umgekehrt: kann ich geplante Wachstumsschritte vorziehen, weil die Nachfrage höher als geplant ist?
  • Was heißt das für meine künftige Planung? Geht sich das finanziell noch aus, oder muss ich mich vielleicht jetzt um eine Finanzierung kümmern?

Finanzplanung: besser als ihr Ruf

Du wolltest „nur“ die Welt verändern. Und jetzt musst du dich mit Zahlen herumschlagen… Das klingt vielleicht zuerst etwas ernüchternd. Vor allem, weil vielleicht für dich der finanzielle Erfolg nicht im Vordergrund steht (aber ganz ehrlich, von Luft und Liebe lebt auch keiner…)

Bei der Finanzplanung ist der Weg das Ziel. Und es muss gar nicht kompliziert sein. Eine einfache, vielleicht ungenaue Finanzplanung ist jedenfalls viel mehr wert als KEINE Finanzplanung.

Mit einer durchdachten Finanzplanung kannst du eine mittelmäßige Idee in ein erfolgreiches Projekt verwandeln. Das wird nicht nur dir das notwendige Vertrauen geben. Sondern auch deine Wirkung wachsen lassen. Und das ist am Ende, das, was zählt.

Foto von Dan Cristian Pădureț auf Unsplash

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Veröffentlicht unter Planung

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